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LVZ, 01.03.2018

 

Diese Straßen werden 2018 in Nordsachsen gebaut

Der Haushalts- und Finanzausschuss des Sächsischen Landtages hat am Mittwoch 70 Millionen Euro bewilligt, die in diesem Jahr zusätzlich in den Ausbau und den Erhalt von Kommunalstraßen investiert werden können. Davon fließen über fünf Millionen Euro zusätzlich nach Nordsachsen, um wichtige Bauvorhaben in der Region zu ermöglichen, teilte Volkmar Winkler, Sprecher für Landwirtschaft und Kommunalpolitik in der SPD-Fraktion, am Donnerstag mit.

„Die SPD/CDU-Koalition löst mit dem Beschluss einmal mehr eine Zusage ein: Wir lassen unsere Kommunen mit ihren Problemen nicht allein“, so Winkler. „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass sich der Staat kümmert und für eine funktionierende Infrastruktur sorgt. In unseren Gesprächen mit Kommunalpolitikern und deren Verbänden hat das Thema Infrastruktur, besonders die Verkehrsanbindungen und der Breitbandausbau, immer wieder großen Raum eingenommen. Eine unserer Antworten liegt nun auf dem Tisch.“

 

Davon profitieren werden viele Gemeinden im Landkreis Nordsachsen. So kann mit den Geldern zum Beispiel ein Abschnitt der Elbe-Mulde Radroute erneuert werden. Auch die Instandsetzung der Decke zwischen Malkwitz und Dahlen sowie 13 weitere Einzelmaßnahmen werden zusätzlich 2018 vom Freistaat gefördert. „Mit den außerplanmäßigen Geldern ist es jetzt möglich, die vorliegenden Anträge für plan- und baureife Projekte auch frühzeitig zu bewilligen. Damit sind wir im Vergleich zu früheren Jahren ein gutes Stück vorangekommen“, erklärt Winkler.

Alle Straßen im Überblick

lnstandsetzung Decke Malkwitz/Dahlen (495 480,00 €)

Ausbau Ortsdurchfahrt Strelln, 1. Bauabschnitt (1 047 014,40 €)

lnstandsetzung Decke Gastewitz (666 068,40 €)

Ausbau Ortsdurchfahrt Wörblitz (608 876,60 €)

Mulde-Elbe-Radroute, TA 4 Mannschatz-Schmorkau (464 580,00 €)

Obstland-Route, Beschilderung und Rastplätze (152 347,30 €)

Ausbau der Straße „Am Plinsentiegel“ in Zwochau (152 486,50 €)

Ausbau der Straße „Feldstraße“ in Zschernitz (93 732,10 €)

Ausbau Mühlläufer Straße in Bad Düben (121 750,00 € )

K 8960 Ausbau Sornzig 1. Bauabschnitt (170 670,40 €)

Ausbau der Ortsverbindungsstraße Dahlenberg - Falkenberg (492 000,00 €)

Änderung von wegweisender Beschilderung im Zuge der Bundesstraßen Stadt Torgau Nordsachsen 87, 182, 183, der Kreisstraße 8987 und verkehrswichtigen Gemeindestraßen im Stadtgebiet Torgau (50 950,40 € )

K 8987, Instandsetzung Decke Döbern - Torgau (385 790,70 €)

Instandsetzung Decke Terpitz - Laas (465 310,50 €)

Gehwegausbau Podelwitz, Wiederitzscher Straße (131 592,20 €)

Sächsische Zeitung

Mittwoch, 07.02.2018

„Häuslebauer ziehen nicht nur der Arbeit nach“

Mit dem Frühjahr starten neue Bauvorhaben. Die SZ sprach mit Makler Maik Lehmann über Schwarmverhalten von Bauherren und Gebühren für Straßencafés.

 
Maik Lehmann will ab Mai mit dem Wohngebiet „Heideblick“ am Exer in Kleinraschütz loslegen. Der Spielplatz im Hintergrund wird dabei mit aufgewertet, außerdem muss der Erschließungsträger als Ausgleich zur Bebauung zwei Hektar Mischwald neu anpflanzen.
Maik Lehmann will ab Mai mit dem Wohngebiet „Heideblick“ am Exer in Kleinraschütz loslegen. Der Spielplatz im Hintergrund wird dabei mit aufgewertet, außerdem muss der Erschließungsträger als Ausgleich zur Bebauung zwei Hektar Mischwald neu anpflanzen.

© Kristin Richter

Herr Lehmann, Großenhain schaut gespannt auf das Wohngebiet „Heideblick“ am Exer in Kleinraschütz. Wann geht´s los mit dem Bauen?

April, Mai. So ist der Plan. Das war noch mal anstrengend, weil es einige Überraschungen gab, aber jetzt ist alles gut.

Überraschungen?

Ja, zunächst war der Plan, die Hauptwasserdruckleitung in die Straße zu verlegen. Das wurde dann von der Wasserversorgung anders gewünscht, und so führt die neue Hauptleitung jetzt über den früheren Exer. Das heißt, wir mussten alles noch einmal umplanen. Ich bin aber heute damit ganz zufrieden, denn das hat auch Vorteile. Vieles kann jetzt parallel passieren, was vorher nicht möglich gewesen wäre.

Mancher fragte sich, ob hier vielleicht noch Munition lauert. Ist das abgeklärt?

Es gab eine Baugrunduntersuchung und eine Gefahreneinschätzung. Wenn überhaupt, ist laut Experten schlimmstenfalls mit alter Munition für Handfeuerwaffen zu rechnen. Das steht wie in solchen Fällen üblich in den Verträgen.

Ist denn die Nachfrage groß? Preislich haben Sie schließlich mit 98 Euro pro Quadratmeter ordentlich vorgelegt für Großenhainer Verhältnisse.

Wir sind jetzt sogar bei 118 Euro, provisionsfrei natürlich. Die 98 Euro galten bis zum 31. Oktober letzten Jahres. Solche Angebote als Preisbindung machen wir immer. Am Anfang hat man uns belächelt für diese Zahl, ich weiß. Als könnten wir nicht rechnen. Aber Großenhain kommt jetzt einfach nur auf einem Niveau an, wo es endlich hingehört. Es geht doch nicht nur um den Verkaufspreis, den die Stadt für das Gebiet bekommen hat. Solche Baupreise ziehen andere Investoren nach, die Großenhain plötzlich für sich entdecken und animieren hiesige Eigentümer von Wohnungen, selbst zu investieren. So verbessert sich die Wohnsubstanz insgesamt. Ich finde das Schwarmverhalten von Bauherren und Mietern nämlich interessant. Wo wollen Menschen wohnen und warum? Da hat uns ein Professor bei einem Immobiliensymposium in Meißen ziemlich geerdet. Der meinte ganz klar, die Städte sollten aufhören, zum Beispiel Gebühren für Straßencafés zu erheben. Denn die Leute suchen sich heutzutage schon eine Gemeinde oder Stadt aus, in der sie leben wollen – frei nach Motto, Arbeit finde ich überall. Man zieht nicht mehr bedingungslos der Arbeit hinterher und wohnt dann irgendwie. Deshalb ist das Flair einer Stadt so wichtig. Kultur-Angebote, Kitas, besondere Schulen, Vereine – das alles wird immer wichtiger. Für Rückkehrer, die älter sind genauso wie für junge Familien, die ein bestimmtes Stadtklima suchen. Die Innenstadt wird da ganz wichtig. Deshalb finde ich auch das Herangehen von Jörg Heller, Stadtlücken mit neuen Wohnkonzepten zu beleben, einen richtigen Gedanken.

Haben Sie persönlich eine Bindung zu Großenhain?

Meine Großeltern stammen von hier. Abgesehen davon hat es die Stadt einfach verdient, nach vorn zu kommen. Sie wurde vielleicht sogar viele Jahre unterschätzt. Doch das ändert sich gerade. Das merke ich in vielen Gesprächen.

Sie wollen auch am Fuchsbau Radeburger Straße Eigenheimstandorte anbieten, wie im Amtsblatt zu lesen war?

Ja, das ist ein sehr spannendes Areal. Herrlich gelegen und unmittelbar in der Stadt, das, was alle suchen, im Zentrum seine Ruhe haben. Die neun Eigenheime sind erst mal eine Visualisierung, das werden die Bauherren mit ihren konkreten Wünschen noch gestalten. Und da ist die alte Villa, die komplett saniert werden soll. Da sind wir erst am Anfang. Für mich ist es interessant, dass dieses zweite Wohngebiet sozusagen auf der anderen Seite liegt.

„Auf der anderen Seite“ – wie meinen Sie das denn?

Ich sag es mal so: In Meißen wollen die Leute entweder linkselbisch oder rechtselbisch wohnen. In Großenhain auf der Seite der Bahnlinie oder auf der anderen. Das ist jedenfalls meine Beobachtung. Insofern ist es interessant, Wohnstandorte auf beiden Seiten anbieten zu können und dann noch so individuelle. In Großenhain tut sich wirklich einiges.

 

Das Gespräch führte Birgit Ulbricht.

Sächsische Zeitung
Donnerstag, 28.09.2017

Was braut sich da zusammen?

Mit dem „Schlosspils“ hat Henry de Jong den Fortschritt seines Ferienresort-Projektes gefeiert. Es soll mehr sein als ein Werbegag.

Von Eric Weser

Mit Bier aus diesen Flaschen ist im Wülknitzer Gemeinderat auf den Fortschritt beim Ferienresort-Projekt angestoßen worden. In Sachen Brauerei hat der Ideengeber des Resorts noch einiges vor.
Mit Bier aus diesen Flaschen ist im Wülknitzer Gemeinderat auf den Fortschritt beim Ferienresort-Projekt angestoßen worden. In Sachen Brauerei hat der Ideengeber des Resorts noch einiges vor.

© Eric Weser

Wülknitz. Anderswo ist es keine Seltenheit, dass in solchen Runden eine Flasche Bier getrunken wird. Im Gemeinderat von Wülknitz ist es hingegen nicht unbedingt üblich. Am Ende der jüngsten Sitzung gab es eine Ausnahme, und das lag an Henry de Jong.

Der Unternehmer aus den Niederlanden hatte da gerade verkündet, dass sein Ferienresort-Projekt in Tiefenau durch den Kauf des ehemaligen Schloss- und Rittergutsgeländes einen entscheidenden Schritt vorangekommen ist. Um das zu feiern, verteilte der 57-Jährige mehrere Flaschen Bier. Aber nicht irgendeins, sondern ein „Schloss Tiefenau Schlosspils“.

Neben dem Schriftzug ziert ein Wappen mit stilisiertem Golfer, Pferdekopf, Hotelbett und Besteck das Etikett. Allesamt Elemente, die sich in dem geplanten Resort künftig wiederfinden sollen. Der nähere Blick auf das Etikett verrät auch, dass Henry de Jong nicht selbst unter die Braumeister gegangen ist. Sondern, dass jemand anderes dieses Schlossbier abgefüllt hat: die Klosterbrauerei Neuzelle im Nachbarbundesland Brandenburg.

Eigenes Bier soll kommen

Die Brauerei mit reichlich 40 Beschäftigten und einem ebenso viele Sorten umfassenden Bier-Angebot ist keine unbekannte: Mit dem Land Brandenburg hatte das Unternehmen gestritten, ob sein Gebräu „Schwarzer Abt“ Bier heißen darf. Neben den klassischen Bier-Zutaten Hopfen, Gerste und Wasser gehört nämlich auch Zucker zur Rezeptur des Getränks. Ein Inhaltsstoff, der sich nach Ansicht der brandenburgischen Behörden nicht mit dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 deckte. Der Streit darum, ob der „Schwarze Abt“ Bier heißen darf, landete gar vorm Bundesverwaltungsgericht, das 2005 der Brauerei recht gab.

Hinter dem Tiefenauer Schlosspils verbirgt sich aber nicht der „Schwarze Abt“, sondern Neuzeller Pilsener. Dessen Zutaten sind – ganz klassisch – Wasser, Gerstenmalz, Hopfen. Alkoholgehalt: 4,8 Prozent. Sein „eigenes“ Bier zu kreieren, zumindest eins mit eigenem Etikett, das geht mit den Neuzellern ganz einfach: Auf der Internetseite gibt es Vorlagen, in die jeder selbst gestaltete Grafiken einfügen kann. Das Pils mit personalisiertem Etikett wird dann per Post versendet. Kleinste Menge: sechs Halbliterflaschen, Preis: 25,10 Euro.

Ist die Bier-Nummer von Resort-Entwickler Henry de Jong nur ein Werbe-Gag? Offenbar nicht nur. Im Gemeinderat kündigte der studierte Historiker an, in Tiefenau ein eigenes Bier brauen zu wollen. Damit soll auch an vergangene Zeiten angeknüpft werden, schließlich habe es ein historisches Braurecht gegeben, so de Jong.

Doch ist im Moment aber alles noch Zukunftsmusik. Denn vorm Braurecht dürfte erst einmal das Baurecht stehen. Das ist nämlich nötig, damit sich das Schloss- und Rittergutsgelände Tiefenau samt Umgebung überhaupt in Richtung Ferienresort entwickeln kann.

Im Wülknitzer Gemeinderat fand das Schlosspils für Tiefenau aus Neuzelle schon mal Anklang. Ein eigenes Bier brauen zu wollen, das sei aber eine Herausforderung, sagte Gemeinderätin Manuela Albrecht (CDU) in Richtung Henry de Jong. „Das stimmt. Aber das ganze Projekt ist eine Herausforderung.

Sächsische Zeitung

Mittwoch, 13.09.2017

„Das ist ein Meilenstein für das Resort“

Nach jahrelangem Hin und Her gehört das Rittergut-Areal in Tiefenau jetzt Henry de Jong. Nun sollen erste Arbeiten starten.

Von Eric Weser

 

Henry de Jong hat ein wichtiges Etappenziel erreicht: Mit seiner Firma hat der niederländische Geschäftsmann das Rittergut-Areal in Tiefenau gekauft. Von hier aus will er sein Großprojekt eines Ferienresorts in Tiefenau nun weiter vorantreiben. Einer der nächsten Schritte soll sein, Pavillons im Rosengarten zu sanieren.
Henry de Jong hat ein wichtiges Etappenziel erreicht: Mit seiner Firma hat der niederländische Geschäftsmann das Rittergut-Areal in Tiefenau gekauft. Von hier aus will er sein Großprojekt eines Ferienresorts in Tiefenau nun weiter vorantreiben. Einer der nächsten Schritte soll sein, Pavillons im Rosengarten zu sanieren.

© Sebastian Schultz

Wülknitz. Beim Tiefenauer Ferienresort hat sich jetzt offenbar ein gordischer Knoten gelöst. Mit seiner Firma Premium Resort Schloss Tiefenau Besitz GmbH hat Henry de Jong nach eigenen Angaben jetzt Flächen in Tiefenau gekauft. Darunter auch die für das Projekt wohl wichtigste: das eigentliche Ritterguts- und Schlossgelände.

Das Areal ist gewissermaßen das Herzstück für das seit Langem von Henry de Jong in Tiefenau geplante Ferienanlage. Wo heute die historischen Gutsgebäude vor sich hin verfallen, sollen nach Vorstellungen des niederländischen Geschäftsmannes künftig Feriengäste komfortabel wohnen. Dafür sollen ein Hotelbetrieb und Ferienhäuser entstehen, außerdem Restaurants und Wellnessbereiche. Auch das nach dem Krieg zerstörte Schloss Tiefenau soll an alter Stelle wiederauferstehen.

Um diese Pläne umzusetzen, braucht es Zugriff auf die entsprechenden Grundstücke. Seit 2006 habe er sich um deren Kauf bemüht, sagte Henry de Jong am Montag im Wülknitzer Gemeinderat. „Wenn man anfängt, denkt man, das ist eine einfache Sache. Das war es leider nicht.“ Das Grundbuch sei schwer belastet gewesen, laut de Jong mit mehreren Millionen Euro. Auch der Kaufpreis sei strittig gewesen. Über die Summe wahrt der Niederländer Stillschweigen. Doch offenbar kam man schließlich überein, die Alteigentümerin verkaufte. Inzwischen seien auch die lange Zeit so problematischen Grundschulden laut Henry de Jong aus dem Grundbuch gelöscht. „Ich habe immer daran geglaubt, dass wir das schaffen. Aber dass es so lange dauert, hätte ich nicht gedacht.“

Wülknitz’ Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) sagte, er sei „sehr froh, dass dieses Problem gelöst ist“. Zwei Jahrzehnte lang hätten die Grundschulden eine Entwicklung auf dem Grundstück blockiert. Er hoffe, dass die neuen Besitzverhältnisse nun auch zu einer Art Türöffner für das Gesamtvorhaben des Tiefenauer Ferienresorts werden.

Das Investitionsprojekt umfasst neben den Bauplänen auf dem Rittergutsgelände unter anderem einen Golfplatz und weitere Ferienhäuser auf dem Dreieck zwischen Tiefenau, Lichtensee und Heidehäuser. Derzeit befinden sich dort Agrarflächen.

Eigenes Büro auf dem Gelände

Auf dem Großteil dieser Flächen besteht derzeit kein Baurecht. Um es zu bekommen, sind in nächster Zeit noch umfangreiche Genehmigungsverfahren notwendig. Auch gehören Henry de Jong nach eigenen Angaben noch nicht alle für den Golfplatz nötigen Grundstücke. Beim Kauf des Rittergutsareals seien allerdings rund 70 Hektar Agrarfläche inbegriffen, die in Richtung Spansberg liegen. Diese könnten nun als Tauschpotenzial für die noch benötigen Golfplatz-Flächen dienen.

Während sich der niederländische Unternehmer demnächst um Baugenehmigungen und weitere Flächenkäufe kümmern will, sollen auf dem frisch erworbenen Rittergutsgelände nun die ersten Arbeiten beginnen. In einem ersten Schritt sollen die historischen Pavillons im Rosengarten saniert werden. In einem der Gebäude will Henry de Jong ein Büro beziehen. Entstehen soll auch ein Informationszentrum, in dem sich Gäste über das Gesamtprojekt informieren können, kündigt der 57-Jährige an. Über die Pavillon-Sanierung stimme man sich momentan mit der Denkmalschutzbehörde beim Landkreis ab.

Im Oktober solle außerdem damit begonnen werden, die Grundmauern des einstigen Schlosses freizulegen. Dafür müssen die Bäume gefällt werden, die im Lauf der Jahre auf der Fläche neben dem Rosengarten gewachsen sind. Auch im Innenhof des Rittergutes soll der Wildwuchs beseitigt und der Müll aus den Gebäuden entfernt werden. Anschließend ist eine Vermessung der Innenräume vorgesehen – als Grundlage für künftige Baumaßnahm

Sächsische Zeitung

Freitag, 08.09.2017

Hightech an Wilsdruffs Stadtrand

Der Medizintechnik-Konzern B. Braun richtet sein neues Werk ein und will damit zum Weltmarktführer aufschließen.

Von Annett Heyse

 

In dieser 143 mal 62Meter großen Halle sollen Blutwäschefilter für Dialyse-Geräte produziert werden. Es ist die modernste derartige Fabrik in Europa, heißt es beim Investor B.Braun Melsungen AG. Die Auslieferung der ersten Produkte aus Wilsdruff ist für das Frühjahr 2018 geplant. Fotos:
In dieser 143 mal 62 Meter großen Halle sollen Blutwäschefilter für Dialyse-Geräte produziert werden. Es ist die modernste derartige Fabrik in Europa, heißt es beim Investor B. Braun Melsungen AG. Die Auslieferung der ersten Produkte aus Wilsdruff ist für das Frühjahr 2018 geplant. Fotos:

© Karl-Ludwig Oberthür    

Wilsdruff. Das erste, was auffällt, sind Rohre, Kabel und Lüftungsschächte. Kilometerlang ziehen sie sich durch Gänge, Hallen, Treppenhäuser. Ralph Kunze steigt über die Kabelstränge, schlängelt sich vorbei an Paletten mit Styropor und Männern, die auf Leitern stehen. Irgendwo kreischt eine Metallsäge – Edelstahl dominiert hier die Ausstattung. Kunze ist der Werksleiter einer völlig neuen Fabrik, die innerhalb weniger Monate an Wilsdruffs Stadtrand entstand und wo nun der Innenausbau auf Hochtouren läuft. In dem Werk sollen ab dem ersten Quartal des nächsten Jahres Blutwäschefilter für Dialyse-Geräte produziert werden. Investor ist der Medizintechnik-Konzern B. Braun Melsungen AG. Im Prinzip entstehe in Wilsdruff eine kleine Chemie-Fabrik, sagt Kunze. „Die Materialen kommen größtenteils in flüssiger Form an, werden aufbereitet, gemischt, verarbeitet. Sämtliche Bauteile für die Filter werden in Wilsdruff produziert und zum fertigen Produkt zusammengesetzt.“

Damit das funktioniert, wird die Fabrik bis unters Dach mit modernster Technik gefüllt. Im Erdgeschoss des 143 Meter langen und 62 Meter breiten Gebäudes entsteht eine Spinnerei, wo die Kunstfasern für die Membranen der Filter gesponnen werden. Gleich daneben liegt der Reinraum, mit gut 5 600 Quadratmetern die größte Arbeitshalle des neuen Werks. Hier werden die Filter zusammengesetzt. Neben dem Reinraum befindet sich eine kleinere Werkhalle, in der die Kunststoffteile für die Filter produziert, also per Spritzgussverfahren angefertigt werden. Im hauseigenen Labor werden Materialien, Zwischenprodukte und die fertigen Filter stichprobenartig einer Qualitätskontrolle unterzogen.

Damit die Produktion reibungslos läuft, befindet sich in der gesamten Dachetage eine „Fabrik in der Fabrik“, wie der Werksleiter das nennt. Hier sind alle Anlagen installiert, die für die Produktionsbedingungen sorgen – von der Wasseraufbereitungsanlage über Luftfilter und Klimatechnik bis hin zu den Servern für die Computer. „B. Braun investiert einen höheren zweistelligen Millionenbetrag, wovon allein zwei Drittel nur für die Technik ausgegeben werden“, erläutert Ralph Kunze. Sein Personal für den Produktionsstart hat der Werksleiter bereits zusammen. Fast 170 Mitarbeiter wurden rekrutiert, angefangen von Produktionsarbeitern, über Gebäudetechniker und Laboranten bis hin zu Ingenieuren. Das Laborteam hat in dieser Woche angefangen, die Arbeitsplätze einzurichten. Sie sind die ersten Mitarbeiter vor Ort. Alle anderen werden derzeit noch in den Standorten Radeberg und Berggießhübel eingearbeitet.

In Sachsen vertreten ist das Unternehmen B. Braun, das weltweit mehr als 60 000 Mitarbeiter in 64 Ländern beschäftigt, seit 2004. Damals übernahm der Konzern eine Produktionsstätte in Radeberg und auch ein Zulieferwerk in Berggießhübel. Dort werden die Hohlfasern hergestellt, die dann in Radeberg in die Filter eingesetzt werden. Sukzessive wurde die Produktion ausgebaut, doch in Radeberg ist man von der Fläche her am Limit. Rund 13 Millionen Dialysatoren werden hier jährlich hergestellt. Mit dem Wilsdruffer Werk werden nun die Produktionskapazitäten nahezu verdoppelt, die Werke in Radeberg und Berggießhübel bleiben als Standorte erhalten.

Denn der Bedarf an Blutwäschefiltern wächst weltweit, weil immer mehr Menschen in den Industrie- und auch in den Schwellenländern an chronisch kranken Nieren leiden. Die Patronen, nur etwa 25 Zentimeter lang und rund sieben Zentimeter dick, können lediglich einmal benutzt werden. Ein Dialyse-Patient muss im Schnitt zwei bis dreimal pro Woche an ein Dialysegerät angeschlossen werden und braucht demnach zwischen 110 und 130 Filter pro Jahr, Marktführer ist Fresenius. Kunze: „Mit dem Wilsdruffer Werk wollen wir zur Spitze aufschließen.