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Sächsische Zeitung
Radebeul

Eigenheimsiedlung mit eingeschlossenem Feld

An der Elbgaustraße im Coswiger Ortsteil Sörnewitz sollen acht Häuser gebaut werden - das stößt nicht nur auf Zustimmung.

Hier soll in Sörnewitz gebaut werden: Acht Eigenheime würden an der Elbgaustraße entstehen, damit wäre das Feld von Häusern eingeschlossen.
Hier soll in Sörnewitz gebaut werden: Acht Eigenheime würden an der Elbgaustraße entstehen, damit wäre das Feld von Häusern eingeschlossen. © Norbert Millauer

Coswig. Genau gegenüber der Gärtnerei Damme an der Elbgaustraße im Coswiger Ortsteil Sörnewitz liegt ein an drei Seiten von Häusern umgebenes Feld. An der vierten, die genau an die Elbgaustraße grenzt, sollen nun acht Eigenheime entstehen. Das sieht ein Bebauungsplan vor, den der Stadtrat auf seiner Sitzung am 10. November in der Börse bei zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen beschlossen hat. „Die jungen Leute wollen bauen, also muss Land zur Verfügung gestellt werden“, sagt Karsten Damme, der Chef der Gärtnerei. „Ich finde, das passt dorthin, ringsum gibt es schon Bebauung, außerdem liegen Gas und Wasser in der Straße. Ich verstehe nicht, wie man gegen Eigenheime sein kann.“

Im Entwurf für den Bebauungsplan Nr. 71 „Wohngebiet Elbgaustraße“ ist das neue Wohngebiet beschrieben. Es ist kleiner als 10.000 Quadratmeter, weshalb der Bebauungsplan nach dem Baugesetzbuch in einem beschleunigten und verkürzten Verfahren behandelt werden kann. Das heißt, dass unter anderem der langwierige Prozess der Beteiligung von Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange, die Umweltprüfung entfällt.

„Die Elbgaustraße ist eine Gemeindestraße mit zehn Prozent Lkw-Anteil und geschätzter Verkehrsbelastung von 1.000 Kfz pro Tag, die Entfernung zur Straßenmitte beträgt circa acht Meter. Es ergibt sich ein Mittelungspegel von 64 dB (A), das heißt Lärmpegelbereich III“, ist im aktuellen Coswiger Amtsblatt zu lesen, in dem die Auslegung des Bebauungsplans angekündigt wird. Zum Vergleich: Für allgemeine Wohngebiete sind am Tag 55 Dezibel und bei Nacht 40 Dezibel zugelassen. Zum Schutzgut Boden wird ausgeführt, dass durch das Vorhaben etwa 0,75 Hektar Ackerfläche verloren gehen, das Niederschlagswasser in den Grundstücken versickern muss und: „Kies- und Schottergärten sind ausgeschlossen.“

Die Flächen, auf denen die acht Eigenheime entstehen sollen, hat der Erschließungsträger, die Reuschel Bau GmbH aus Krögis, von privaten Eigentümern gekauft. „Die Stadt möchte vom Erschließungsträger die für den Gehweg an der Elbgaustraße erforderliche Fläche übertragen bekommen“, sagt Wolfgang Weimann, der Coswiger Bauamtsleiter. Geregelt werde das in einem Erschließungsvertrag.

Um die künftigen Anwohner an der Elbgaustraße vor Beeinträchtigungen durch den hinter ihren Häusern liegenden Acker zu schützen, wurde „zur Abgrenzung zu den westlich verbleibenden landwirtschaftlichen Flächen und zur Minimierung der Staubbelastung aus der landwirtschaftlichen Nutzung eine fünf Meter breite, dicht zu begrünende Hecke festgesetzt“. Dieser Grünstreifen, so Wolfgang Weimann, soll die Pufferung zwischen landwirtschaftlicher Nutzfläche und Wohnen sein.

Gegen den Entwurf des Bebauungsplans stimmten im Stadtrat Thomas Kneusel und Jürgen Straube, beide von der Fraktion Christliche Demokraten Coswig. „Wir wollten, dass ein Stück Straße freigelassen wird, wenn später das Feld hinter den jetzt geplanten Einfamilienhäusern bebaut werden wird. Womit ich rechne.“ Allerdings hatte Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) im Stadtrat dies ausgeschlossen, weil „der Landwirtschaft keine weiteren Flächen entzogen werden sollen“.

Grundsätzlich finde er die nun geplante Form der Bebauung unglücklich, so Jürgen Straube, „weil damit eine vierseitig umschlossene landwirtschaftliche Nutzfläche entsteht, und das kann nun wirklich nicht das Ziel städtebaulicher Entwicklung sein“.

Früher sei an dieser Stelle in Sörnewitz eine Bebauung überhaupt nicht vorstellbar gewesen, „weil dort die Kaltluftschneise, die von der Bosel kommt, entlanggeht.“ Er hätte sich gewünscht, dass neben der Rebfläche in Richtung Schulweg ein fünf Meter breiter Streifen für eine künftige Erschließungsstraße freigelassen worden wäre. Dieser hätte auch mit Sträuchern bepflanzt werden können, die später, wenn dort eine Straße gebaut würde, leicht umgesetzt hätte werden können. Alexander Stolle, Chef der Fraktion Bündnis für ein nachhaltiges Coswig, einer der beiden Stadträte, die sich der Stimme enthielten, hat noch ein anderes Problem mit dem nun geplanten Wohngebiet. „Ich habe nichts gegen Eigenheime, aber ich wünsche mir mehr Mehrfamilienhäuser in Coswig, wo Familien, Jung und Alt, gemeinsam wohnen können.“