Müller-Miklaw-Nickel Ingenieurgesellschaft

Hotelkette steigt aus Schlossprojekt aus

Es soll aber schon ein neuer Betreiber für das Millionen teure Ferien-Golf-Resort in Tiefenau gefunden sein. Er will es zu seinem "Flaggschiff" machen.

Die Fassade am östlichen Torhaus des Tiefenauer Ritterguts ist neu geputzt und gestrichen.
Die Fassade am östlichen Torhaus des Tiefenauer Ritterguts ist neu geputzt und gestrichen. © Klaus Dieter Bruehl

Tiefenau. Der Umbau des Tiefenauer Ritterguts zu einem Ferienresort mit Vier-Sterne-Hotel hat dem Hamburger Unternehmen RIMC wohl doch zu lange gedauert. Wie Henry de Jong, Geschäftsführer der Premium Resort Schloss Tiefenau Besitz GmbH, bestätigt, ist die Hotelkette abgesprungen.

 

Vor sechs Jahren war der RIMC-Gründer Gert Prantner in der Gemeinde zu Gast und schwärmte von der "klaren Vision" von Henry de Jong. Der Holländer will hier das 1948 zerstörte Schloss wieder errichten und zudem 80 Ferienhäuser und einen Golfplatz bauen lassen. Mehr als 50 Millionen Euro soll das Vorhaben kosten.

Prantner zeigte sich begeistert und war guter Hoffnung, dass dies bald Wirklichkeit wird. Ursprünglich sollte mit dem Bau 2017 begonnen werden. Vor zwei Jahren sollte schon Einweihung sein. Doch die Realität sieht anders aus.

Henry de Jong sitzt in seinem Büro im östlichen Torhaus des ehemaligen Rittergutes Tiefenau.
Henry de Jong sitzt in seinem Büro im östlichen Torhaus des ehemaligen Rittergutes Tiefenau. © Jörg Richter

Es sind zwar ständig Leute auf der Baustelle, aber meistens nur eine kleine Gruppe, die das ehemalige Rittergut nach und nach entkernt und saniert. Momentan wird der Dachstuhl des westlichen Torhauses erneuert. Eine Diplom-Restauratorin erforscht zudem historische Farben im Grottenpavillon des Rosengartens.

Seit November ist die Fassade des östlichen Torhauses geputzt und gestrichen. Abends wird sie angestrahlt und vermittelt einen ungefähren Eindruck, welchen Glanz das Tiefenauer Schloss-Resort einmal haben könnte. - Es geht voran, aber langsam. Ist der Ausstieg von RIMC ein Rückschlag für das gesamte Projekt?

De Jong nennt einen anderen Grund, warum seiner Meinung nach die RIMC Hotels und Resorts Gruppe ihr Interesse an Tiefenau verloren hat. Er führt es darauf zurück, dass Prantner im vergangenen Jahr anlässlich seines 80. Geburtstages die Führung im Unternehmen abgegeben hat. Er ist nun nicht mehr Geschäftsführer der Hotelgruppe, die in den letzten 30 Jahren unter seiner Leitung 200 Hotelprojekte im In- und Ausland realisierte.

Derzeit ist die RIMC Hotels und Resorts Gruppe nach eigenen Angaben mit 32 Hotels in acht Ländern vertreten. Weitere Hotelprojekte sind für 2021 und den Folgejahren auf dem deutschen und internationalen Markt geplant. - Das Resort Schloss Tiefenau gehört leider nicht mehr dazu.

Unter dem Wappen an der restaurierten Fassade des östlichen Torhauses steht der lateinische Spruch "Vive somnium tuum". Übersetzt heißt er: "Lebe Deinen Traum."
Unter dem Wappen an der restaurierten Fassade des östlichen Torhauses steht der lateinische Spruch "Vive somnium tuum". Übersetzt heißt er: "Lebe Deinen Traum." © Klaus Dieter Bruehl

"Wir haben aber bereits einen neuen Betreiber gefunden", sagt Henry de Jong. Fünf Hotelketten und Reiseunternehmen, u. a. Tui, hätten sich für das Projekt interessiert. Zwei kamen in die engere Auswahl. Am Ende entschied sich de Jong für eine "ziemlich große" Hotelkette. "Schloss Tiefenau soll ihr Flaggschiff werden", sagt der Holländer. Er möchte aber noch keinen Namen nennen, so lange kein Vertrag unterschrieben ist. De Jong rechnet noch in diesem Quartal damit.

Die Vision vom Ferienresort in Tiefenau mit Schloss, Hotel, Ferienhäusern und Spa-Bereich ist nach wie vor am Leben. De Jong hofft, noch in diesem Jahr mit dem Ausbaggern der alten Schlosskeller beginnen zu können. Im Frühjahr 2022 soll mit dem Tiefbau für das Schloss begonnen werden. Er rechnet mit anderthalb Jahren Bauzeit. "Aber man weiß nicht, wie sich Corona noch auswirkt", sagt der Unternehmer. Die Pandemie hat schon jetzt Einfluss auf den Bauablauf und auch auf die Zukunft der gesamten Tourismusbranche. Mit ihr steht und fällt das Projekt in Tiefenau. Möglicherweise hat RIMC auch deshalb einen Rückzieher gemacht.